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Gesichtsmasken aus Papier und Vlies – Behelfsprodukte können unterstützend wirken


Die Corona-Krise führt zu einer hohen Nachfrage an persönlichen Schutzausrüstungen. In einigen Bundesländern, wie u.a. in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt wird “dringend empfohlen, im öffentlichen Raum und insbesondere bei Kontakt mit Risikopersonen eine Mund-Nasenbedeckung zu tragen, um für sich und andere das Risiko von Infektionen zu reduzieren.” Bei bestimmten Tätigkeiten wie Einkaufen Einzelhandel oder Teilnahme am öffentlichen Personennahverkehr ist eine Mund- und Nasenbedeckung sogar in immer mehr Regionen verpflichtend. (Quelle: Sächsische Verordnung, gültig ab 20.4.2020, www.coronavirus.sachsen.de).

Da der Bedarf an zertifizierten medizinischen Masken aktuell nicht bedient werden kann, sind Hersteller von Papier und Vliesstoffen dieser Tage aktiv geworden und versuchen so gut es geht, den Bedarf an Mund- und Nasen-Bedeckungen mit Behelfsprodukten zu bedienen.

Beim Atmen, Sprechen, Husten, Niesen usw. werden kleinere oder größere Mengen von Sekret-Tröpfchen von den Schleimhäuten in Mund und Nase freigesetzt. Die Mehrzahl der Teilchenkerne hat einen Durchmesser zwischen 0,5 μm und 12 μm und insbesondere die größeren von ihnen können aus der Aerosolquelle stammende Mikroorganismen enthalten (Quelle: DIN EN 14683:2019 + AC:2019 (D) Anhang A (informativ) Anwenderinformationen). Ebenso wie selbst genähte Stoffmasken bieten Behelfsprodukte keinen Schutz vor Viren und Keimen, könnten aber den Tröpfchen-Auswurf beim Sprechen, Husten oder Niesen reduzieren. Gesicherte Erkenntnisse oder Belege hierüber gibt es indes nicht.

Eine übersichtliche Zusammenstellung über die verschiedenen Masken und ihre Wirksamkeit hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf seiner Homepage publiziert.

Zu unterscheiden sind nach BfArM im wesentlichen Masken, die als Behelfs-Mund-Nasen-Masken aus handelsüblichen Stoffen hergestellt werden (1. „Community-Masken“) und solche, die aufgrund der Erfüllung einschlägiger gesetzlicher Vorgaben und technischer Normen Schutzmasken mit ausgelobter Schutzwirkung darstellen (2. Medizinischer Mund-Nasen-Schutz und 3. Filtrierende Halbmasken).

(Quelle: BfArM, abgerufen am 14. April 2020)

Die Prüfvorgaben für einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz und filtrierende Halbmasken sind dabei streng und die Anforderungen detailliert und exakt vorgegeben.

Zur Unterstützung der Sicherheit von medizinischen Geräten und persönlicher Schutzausrüstung sowie als praktische Hilfestellung für Hersteller stellt das Deutsche Institut für Normung (DIN) eine Reihe von Europäischen und internationalen Normen für Medizinprodukte und persönliche Schutzausrüstung kostenlos zur Verfügung.

Diese sind hier abrufbar: https://www.din.de/de/service-fuer-anwender/unterstuetzung-in-der-corona-krise,

Zum Beispiel:

  • DIN EN 14683:2019-10: Medizinische Gesichtsmasken - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung EN 14683:2019+AC:2019
  • DIN EN 149:2009-08: Atemschutzgeräte - Filtrierende Halbmasken zum Schutz gegen Partikeln - Anforderungen, Prüfung, Kennzeichnung; Deutsche Fassung EN 149:2001+A1:2009

Zudem werden auf der ebenfalls kostenlosen Plattform DIN.ONE Anwender mit Experten aus den jeweiligen Bereichen der Normen zusammengebracht, um offene Fragen zur Anwendung der bereitgestellten Normen zu klären.

Bei der Untersuchung der Wirksamkeit von sogenannten „Community-Masken“ oder Behelfs-Mund-Nasen-Masken / Bedeckungen kann die PTS mit eigens dafür entwickelten Hausmethoden unterstützen.

Anfragen: info(at)ptspaper.de - Materialprüfung & Analytik

Hierzu wird die Durchdringung der Bedeckungen von z.B. Vlies oder Tissue mit verschiedenen Modell-Aerosol-Sprays unter Druck systematisch untersucht. Die Ergebnisse und Erkenntnisse werden dem Auftraggeber beschreibend und mittels Foto-Dokumentation mit einem Prüfbericht mitgeteilt.

Behelfsmasken dürfen jedoch weder bei Bezeichnung noch Auslobung den Eindruck eines Medizinproduktes oder einer Schutzausrüstung erwecken und auch nicht mit entsprechenden Leistungen oder Schutzwirkungen ausgelobt werden. Die Verwendung des Begriffes „…Schutz…“ ist nicht zulässig.  Es sollte im Gegenteil ausdrücklich in Aufmachung und ggf. Beipackzettel darauf hingewiesen werden, dass es sich weder um ein Medizinprodukt noch um persönliche Schutzausrüstung handelt.

Trotz dieser Einschränkungen kommt auch das BfArM zu dem Schluss, dass geeignete Masken als Kleidungsstücke dazu beitragen, das Bewusstsein für „social distancing“ sowie gesundheitsbezogen achtsamen Umgang mit sich und anderen sichtbar zu unterstützen. Auf diese Weise können sie bzw. ihre Träger einen Beitrag zur Reduzierung der weiteren Ausbreitung von SARS-CoV-2 leisten. Fest gewebte Stoffe seien in diesem Zusammenhang besser geeignet als leicht gewebte Stoffe.

Auch mit Maske sollte der von der WHO empfohlene Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 (bis 2) m zu anderen Menschen eingehalten werden. Beim Anziehen einer Maske ist zudem darauf zu achten, dass die Innenseite nicht kontaminiert wird. Die Hände sollten vorher gründlich mit Seife gewaschen werden. Die Außenseite der gebrauchten Maske ist potentiell erregerhaltig. Um eine Kontaminierung der Hände zu verhindern, sollte diese möglichst nicht berührt werden.  Nach Absetzen der Maske sollten die Hände unter Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln gründlich gewaschen werden (mindestens 20-30 Sekunden mit Seife)(Quelle: BfArM). Ein Vorteil von kostengünstigen Kurzzeit-Einweg-Behelfsbedeckungen aus Vlies oder Tissue ist die Möglichkeit, diese nach Gebrauch zu entsorgen und durch eine neue,  frische Bedeckung zu ersetzen.  So entfallen aufwändige und ggf. hygienisch kritische Reinigungs- und Dekontaminationsmaßnahmen.