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Sicherheitsetiketten Fertigung von Funktionsetiketten im Retourengeschäft von Textilien im Onlinehandel

Mit steigendem Warenangebot im Onlinehandel steigen auch deren Retouren. Die Retourquoten sind abhängig von den bestellten Produkten und besonders in dem Bereich „Fashion und Accessoires“ überdurchschnittlich hoch. 53,6 % der Kunden planen eine Retoure bei der Bestellung nicht mit ein, 27,6 % bestellen mehrere Artikel in verschiedenen Größen und Farben zum Ansehen und anschließendem Entscheiden. Der Anteil an Kunden, die die Retoure schon bei der Bestellung mit einplanen, beträgt 18,8 %. Beispielhaft ist die Bestellung von Lederhosen und Dirndln zum Oktoberfest, um diese Vorort zu tragen und anschließend geplant zurückzusenden. Das entspricht der Definition des unsachgemäßen und übermäßigen Tragens von im Onlinehandel bestellten Textilien. Diese missbräuchliche Nutzung nimmt, für den Kunden mit teilweiser kostenfreier Retoure, immer mehr zu. Aus dem jährlichen Gesamtumsatz des Onlinehandels in Deutschland und den 11,1 Mrd. Euro Umsatz im Bereich Fashion und Accessoires lässt sich daher bei einem Anteil an missbräuchlichen Retouren von 7 % ein jährlicher Verlust von 397 Mio. Euro errechnen. Nur ca. 79 % der retournierten Artikel können als A-Ware für den Kundenversand weiterverwendet werden. Der Rest zeigt eine beeinträchtigte Qualität, so dass eine Aufbereitung unmöglich bzw. unwirtschaftlich ist. Die Sichtung, Prüfung, Identifikation und Nachbehandlung (Waschen, Bügeln, etc.) pro retourniertes Textil beträgt etwa 10 €. Neben den direkten, eben erwähnten Kosten fallen auch enorme Kosten für den Transport und das Auspacken sowie die mögliche Entsorgung an. Auch Personalkosten müssen mitgerechnet werden, da nur besonders geschulte Mitarbeiter des Unternehmens die Prüfung durchführen.

Projekttitel: » Fertigung von Funktionsetiketten im Retourengeschäft von Textilien im Onlinehandel

Laufzeit: » 01.08.2020 – 31.07.2022

Projektart: » Euronorm INNO-KOM MF 200033

Forschungsstellen: » Papiertechnische Stiftung PTS; Abteilung: Funktionale Oberflächen Dr. Yvonne Jüttke, Anke Steinberg; Vertrieb: Jörg Hempel

 

Abb. 1: Schematische Darstellung des papierbasierten Etikettes mit funktionalem Schichtaufbau und der konzipierten Diffusionsverlauf des Indikatorsystems (links). Vergrößerte Darstellung der Schichten 1 – 3 mit dem wirksamen Indikatorsystem und dem Farbumschlag (rechts).

Wir wollen helfen, dieses Millionenverlust im Onlinehandel von Fashion und Accessoires wirksam zu reduzieren. Dazu wurden drei verschiedene Demonstratoren konzeptioniert. Im Rahmen des hier vorgestellten Projektes erfolgt die papiertechnologische Herstellung von selbstklebenden Etiketten mit funktionalem Schichtaufbau sowie integriertem Indikatorsystem zum Detektieren unsachgemäßen Gebrauchs von Textilprodukten des Onlinehandels unter den Bedingungen und Schwerpunktrichtlinien von kmUs für hochwertige Textilproduzenten und -händler. Spezifische physikalische und/oder chemische vom Menschen ausgehende Einflussfaktoren gelangen im Etikett durch gezielte Ausnutzung der Diffusionsparameter im Schichtaufbau zum Wirkungsort des Indikatorsystems und lösen eine Farbreaktion aus, die eine visuelle Auswertung ermöglicht und damit den Nachweis erbringt. Das Etikett ist dabei leicht einsetz- und austauschbar.

Abb. 2: Die menschliche Haut mit den verschiedenen Einflussfaktoren bei Mann und Frau (links) und deren genauere Aufschlüsselung in mechanische, physikalische und chemische Parameter (rechts).

Dabei sind die Schwerpunkte:

• die Identifikation von spezifischen Einflussfaktoren des menschlichen Körpers: » physikalische Einflussfaktoren wie Wärme, Feuchte, usw. » chemische Einflussfaktoren wie Salze, Proteine, usw. » mechanische Einflussfaktoren wie Druckbelastung, Reibung, usw.

• das Sichtbarmachen des unzulässig langen Tragens der Textilien, z. B. über einen zeitversetzten Farbumschlag (Farbmatrix) durch ein angepasstes Indikatorsystem, das auf die Einflussfaktoren oder äußeren Effekte wie pH-Wert, Druck, Temperatur, Zeit, etc. reagiert

• die Modellkonzipierung des Etiketts mit dem funktionellen Schichtaufbau zur induzierten, zeitgesteuerten Reizweiterleitung zum Indikator.

• der Warenmissbrauch, der durch den bloßen Sichtungsprozess schnell und sicher erkennbar ist und damit zur Verringerung der Verlustmarge durch missbräuchliche Retouren führt. Das Etikett wird speziell an die Textilien (Kleid, Hose, Anzug, Schuhe, etc.) angepasst und integriert.

Dr. Yvonne Jüttke,

yvonne.juettke@ptspaper.de

Jörg Hempel,

joerg.hempel(at)ptspaper.de